Seelengefährten

 

 



„Was möchtest du heute tun?“ fragt er sie zärtlich. Sie sieht zu ihm herüber.

Er sitzt zu ihrer Linken und strahlt sie an. Die Sonne leuchtet fast seinen gesamten Oberkörper aus und verschwimmt mit seinen Konturen. Und doch kann sie seine wachen Augen ganz genau sehen. Er sieht sie an.

SIE.

Sie spürt, wie ihr Herz wächst, als würde es aufblühen.

Es ist immer so, wenn er da ist. Und es ist immer wieder überwältigend. In seiner Anwesenheit ist sie eine Knospe und er ist das Licht, dem sie sich wie eine Blume öffnet.

Er hat seine langen, schlanken Beine angewinkelt und hält sie mit seinen Händen umschlungen. Eine seiner Hände spielt mit gezupftem Gras. Sie liebt seine Hände. Sie erinnern sie an Musik.

Sein volles dunkles Haar wird fast komplett von der Sonne verschluckt und leuchtet weißgold.

 

Sie sitzen auf einer kleinen Lichtung, mitten in ihrem Lieblingswald. Kiefern und Buchen zäumen ein großes Stück saftige, grün-moosige Wiese. Sie ist feucht, aber das kümmert sie nicht. Ihre Beine sind in kniezerrissene Jeans mit Turnschuhen gekleidet und ruhen im Schneidersitz. Ihr Hintern ist nass. Grashalme schmiegen sich neugierig an die Stellen, an denen ihre Haut nicht mit Jeans bedeckt ist. Sie atmet die feucht-warme Luft und blickt nach oben. Das offene Stück Himmel über ihrer Lichtung ist hellgraublau.

 

Ihr Ozean erwacht. Sie weint. Offene, ungedachte, pure Tränen. Der Wald berührt sie. Öffnet sie. Jedes Mal. Und sie lässt sich von ihm berühren. Jedes Mal.

Als er sich neben sie setzt und ansieht, hält der Tränenfluss an.

 

Sie lächelt zu ihm herüber. Wie schön er ist. Wie unglaublich schön er ist. Sie kann in seinen Augen sehen, dass er ihre Gedanken spürt. Er lächelt zurück.

Sie antwortet wortlos mit einem Bild, dass in ihr auftaucht. Sie sieht sich und ihn, wie sie eng umschlungen auf der Wiese liegen. Ihr Kopf liegt weich und ruhig auf seiner Brust, direkt unter seinem Kinn. Er riecht nach Sommer, Wind und Holz und sie atmet ihn ein.

Und schon hört sie ihn lachen. Er zieht sie glücklich an sich und sie fallen zusammen in das weiche, grüne, feuchte Gras.

 

„Warum finde ich dich immer nur hier?“ fragt sie ihn nach einer Weile.

Seine Wärme pulsiert durch ihren Körper. Als wäre er wirklich echt.

„Meine Sonne, ich bin die ganze Zeit da“ antwortet er und berührt sanft ihr Tattoo.

Das Tattoo ist 20 Jahre alt. Ein Symbol, was sie seit ihrer Kindheit malt. Eine Sonne. Sie unterschrieb mit kleinen, manchmal großen und bunte Sonnen auf allen Schulmaterialien, Glückwunschkarten, Zetteln, Grüssen, Liebesbriefen und schreibbaren Flächen, die es gab. Und als sie 18 wurde, verewigte sie die Sonne auf ihrem Körper.

 

Er singt ihr etwas vor. In einer Sprache, die sie nur selten hört. Doch sie ist ihr vertraut. Sie schließt die Augen. Er singt von der Ewigkeit und von der unendlichen Liebe zu ihr. Diese Welt sei ein dunkler Ort und ihre Sonne sei das Licht. Das Licht, durch dass sie sich erkennen werden.

Sein Lied öffnet ihr Herz.

Sie atmet tief aus und vermeidet es, sich zu bewegen. Sie hat Angst, dass er verschwindet.

Sein Lächeln erscheint in ihrem Kopf. Ihre Augen sind geschlossen.

 

„Werde ich schon tot sein, wenn wir uns begegnen?“ fragt sie leise und kann nicht verhindern, dass sie anfängt zu weinen.

Er küsst sie. „Das spielt keine Rolle“, flüstert er. „Ich bin da. Ich war immer da“.

Sein Herz öffnet sich und ihre Traurigkeit fließt wie flüssiges Gold in ihn hinein. Bis sie seine Augen erreicht. Wortlos staunt sie über seine tiefe, freie Liebe und seine Bereitschaft, ihre Schmerzen und ihre Traurigkeit zu teilen.

Sie schämt sich, dass sie so egoistisch war und ihn mit ihrer Angst geflutet hat. Ihr wird klar, dass sie nichts vor ihm verbergen kann. Sie sind eins.

 

Er ist da. Er war schon immer da. Sie hatte es nur vergessen.

Seit Kindertagen hört sie sein Lied. Vor allem, wenn sie durch den Wald läuft. Sie summt es. Mal stumm, mal laut. Und nach all der Zeit, beginnt sie erst heute zu begreifen, warum sie den Wald so liebt. Und er sie.

Heute ist sie bereit, die Stimme des Waldes zu empfangen. Heute ist sie offen genug, um wirklich zuzuhören. Sich zu erinnern, um ihm zu begegnen.

Dieser Wald ist der Ort, den sie füreinander gewählt haben. Lange bevor sie in diese Welt kamen.

ER ist die uralte Ahnung, dass da jemand ist, mit dem sie untrennbar verbunden ist. Jemand, den sie weder hören noch sehen kann. Nicht in Wirklichkeit. Noch nicht.

 

Sie wird ungeduldig. Sie spürt, dass er sich verabschieden will, jetzt wo sie begriffen hat.

„Liebster, bitte sag mir, was ich tun muss, um dich hier auf diesem Planeten zu finden. Ich will nicht mehr ohne dich sein. Ich will auf DICH warten. Ich liebe dich von ganzem Herzen. Bitte sag mir, was ich tun muss.“

Sie staunt über ihre eigenen Worte. Ihr Leben lang hat sie ihre Kavaliere durch konsequente Unverbindlichkeit in den Wahnsinn getrieben. Und nun sitzt sie auf einer nassen Wiese und schenkt einer wunderschönen, imaginären Sonnengestalt ihr Leben, ihr Herz, ihren Atem.

 

Er lächelt und betrachtet die Lichtung. Es gibt noch soviel zu sagen.

 „Ich bin da. Ich war immer da“, sagt er, küsst sie und verschwindet in der Sonne.

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Kommentare: 19
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